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Rezension - Sandy Green “Leben heißt mein finstres Träumen” in der Solinger Morgenpost, 24.04.13
Sandy Green beschreibt erschütternde Frauenschicksale Neues Buch über SS-Bordelle
Als sich Anfang 1945 der militärische Ring um das weithin zerbombte Deutschland immer enger schloss, zerstörten die Nazis in den Vernichtungslagern als Erstes die Gaskammern, dann die Bordelle. Die lagen außerhalb der Lager und waren für die Wächter der SS bestimmt. Junge Frauen, viele von ihnen mit einem Aufnäher in Form eines schwarzen Winkels als “asozial” gekennzeichnet, durchlebten dort die Hölle. “Die Schönsten, das weiß ich genau”, so erinnert sich eine Zeitzeugin aus dem KZ Ravensbrück in einem Interview, “die Schönsten kamen in die SS-Bordelle.” Die Solinger Autorin Sandy Green ist der Spur unschuldiger Frauen in die SS-Bordelle gefolgt und hat daraus einen Roman gemacht. “Leben heißt mein finstres Träumen”, so hat sie die fiktive Geschichte von Christine und ihren Kameradinnen betitelt, die allerdings auf historischen Quellen wie Protokollen von Zeitzeugen basiert. “Zwei Jahre habe ich gebraucht, um die richtige Sprache zu finden”, sagt die Autorin. Zu schockierend waren die Grausamkeiten, die ihr bei ihren Recherchen begegnet sind. Dabei konnte die Solingerin auf erworbene Kenntnisse bei den Recherchen für ihr vorheriges Buch zum Themenkreis zurückgreifen, das sich mit Häftlingsbordellen beschäftigt. Die waren nicht für die SS-Wachen, sondern eben für willfährige Lagerinsassen bestimmt, die als Unteraufseher der Häftlinge fungierten. Das Ausharren in einer ausweglosen Zwangslage, die dennoch immer wieder leise Hoffnungen aufkeimen ließ, hat Green in eine Geschichte gegossen, die für viele der Frauen tödlich endet. Bangen und Hoffen in offenbar auswegloser Zwangsprostitution - das müssen junge Frauen heute noch. Das weiß Caritas-Direktor Christoph Humburg. Auch wenn die historische Situation eine gänzlich andere sei, so gebe es doch in dem Buch “viele Strukturen, die ich aus Beschreibungen unserer Mitarbeiterinnen kenne”, sagt Humburg. Die Caritas betreut zwei örtliche Projekte für junge Zwangsprostituierte, vornehmlich aus osteuropäischen Ländern, aber auch aus anderen Teilen der Welt. “Die Frauen kommen völlig verängstigt in unsere Beratungsstellen”, sagt Humburg. Ihre Familien würden in der Heimat bedroht. Die Frauen, die von ihren Peinigern an häufig wechselnden Adressen gehalten würden, hätten Angst zur Polizei zu gehen, nicht zuletzt, weil sie staatlichen Organen misstrauten. Ein Euro von jedem verkauften Buch (9,90 Euro), das im custos verlag erschienen ist, fließt in das Caritasprojekt “EVA”.
Artikel über Sandy Green “Leben heißt mein finstres Träumen” in der Solinger Wochenpost, 23.04.13
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Artikel über Sandy Green “Leben heißt mein finstres Träumen” im Solinger Tageblatt, 17.04.13
Roman über Bordelle der SS-Schergen
Rezension Anthologie “DAFÜR” in der Solinger Wochenpost, 19.02.13
Intensiv und packend Solinger Verlag veröffentlicht Anthologie über Menschenrechte
Regionale Literatur (IT). Wenn das junge Mädchen voller freudiger Erwartung dem Ritual entgegensieht, das es zur Frau werden lassen soll und es sich dann in einem Beschneidungszelt wieder findet; wenn der neunjährige Junge auf dem Flüchtlingsboot miterleben muss, wie Soldaten aus einem Land, das für seine gebeutelte Familie endlich Frieden bedeuten sollte, seine Mutter totschlagen; wenn Kinder sich in schmutzigen Fabriken halb zu Tode quälen, damit man hierzulande billige T-Shirts kaufen kann; wenn gleichgeschlechtliche Liebe gleichbedeutend mit einem Todesurteil ist; wenn ein Vergewaltigungsopfer den Vergewaltiger heiraten muss, um Schande von der Familie abzuwenden und selbst einer juristischen Verfolgung zu entgehen. Wenn all diese Dinge in kurzen Texten verarbeitet werden, und mit einer unglaublichen Intensität direkt das moralische Empfinden des Lesers herausfordern, dann hat der Herausgeber offensichtlich einiges richtig gemacht, denn die von den Werken behandelten Gegenstände setzen sich auf diese Art langfristig fest und sorgen dafür, dass man - zumindest im besten Fall - eine zeitlang mit offeneren Augen, vielleicht nicht durchs ganze Leben, aber doch zumindest durch diverse Konsumtempel geht. Mit “Dafür” ist dem Solinger custos verlag erneut eine packende Zusammenstellung tief unter die Haut gehender Kurzgeschichten und Gedichte gelungen. Die im Rahmen des “Literaturwettbewerbs Menschenrechte” eingereichten Beiträge stammen von 58 Autoren aus sechs Ländern. Und obwohl das literarische Niveau eine durchaus größere Bandbreite aufweist, ist die eingangs erwähnte Intensität fast gleichbleibend hoch. Und das ist in vorliegendem Fall eine richtig gute Nachricht.
Rezension Shalom Sechvi “Mein Herz schlägt wieder” im Solinger Tageblatt, 18.08.12
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Rezension Shalom Sechvi “Mein Herz schlägt wieder” in der Solinger Morgenpost, 06.07.12
Shalom Sechvi ist der Hölle entkommen
(wgü) In Ness Ziona, seit 25 Jahren Solingens Partnerstadt in Israel, lebt der 84-jährige Maler und Schriftsteller Shalom Sechvi am Abend eines langen, dramatischen Lebens. Der junge Shalom erlebt noch das harmonische Leben im jiddischen “Stedl” seiner polnischen Heimat. Bald kommt er in Arbeitslager, in Konzentrationslagern erlebt er die ganze Grausamkeit der Judenverfolgung in Deutschland, aber er überlebt auch den Todesmarsch im April 1945. Nach anfänglicher Internierung gelingt ihm 1946 die Einreise nach Palästina, seinem “Eretz Israel”, dem gelobten Land. Dort schließt er sich der zionistischen Militärorganisation Haganah an. Sechvi war oft in Solingen zu Besuch, er stellte seine Bilder aus und besuchte Schulen. Im November 2011 waren seine Collagen im Theaterfoyer zu sehen, in einer szenischen Lesung wurden damals auch seine Lebenserinnerungen “Mein Herz schlägt wieder” vorgestellt. Jetzt sind diese kurzen Texte über ein langes, bewegtes Leben als Buch im Solinger custos verlag erschienen. Emotionslos und schlicht Shalom Sechvi berichtet in Form der Reportage, durch die klare, manchmal fast lakonische Sprache treten die grauenhaften Einzelheiten des Mordens und Quälens besonders scharf hervor. Verlagsleiterin Sandra Grünwald stellte das Buch vor, Sprecherin Claudia Gahrke las bei der Präsentation einige Kapitel dieser besonderen Autobiographie. Texte, die in ihrer weitgehend emotionslosen Schlichtheit tief berühren. Musikalisch umrahmt wurde die Lesung von den Musikschülerinnen Maria Shykyrinska, Klavier, und Rebecca Mulhern, Querflöte. Shalom Sechvi bereichert sein Buch auch mit einigen seiner berührenden, detailreichen Federzeichnungen. Das Buch kostet 8,90 Euro.
Rezension Sandy Green “La Fuente” in der Solinger Morgenpost, 19.05.12
Blick in die Zukunft
(mit) Nach ihrer Geschichte “So viele wie möglich” über das Leben der Rot-Kreuz-Schwester Maria, die im Krakauer-Ghetto Kinder versteckt unter ihren Röcken aus dem Ghetto schmuggelte, wirft die Solinger Autorin Sandy Green in ihrem neuesten, im custos verlag erschienenen Roman “La Fuente” einen Blick in die Zukunft. Green verknüpft in ihrer Science-Fiction-Erzählung das Leben von zwei Wissenschaftlerinnen - die in zwei einhundert Jahre voneinander getrennten Zeitebenen leben und forschen. Da ist einmal die verheiratete Sarah Howard, deren in London in einem Labor arbeitender Mann Charles ebenfalls Wissenschaftler ist, die sich 2020 auf den Weg in den südamerikanischen Regenwald macht. Hier sucht sie bei einem noch unerforschten Indio-Volk eine Heilpflanze gegen Krebserkrankungen. “Die Quadasenis hatten die Expedition freundlich empfangen. Sarah hatte damit gerechnte, dass man ihr Misstrauen, vielleicht Furcht oder im schlimmsten Fall sogar feindliche Aggression entgegenbringen würde. Schließlich hatte dieses Volk so gut wie keine Kontakte zu zu weißen Menschen gehabt bisher.” Sarah ist am Ziel. Ein Medizinmann lässt einen Wächter die gesuchte Pflanze holen. “Da war sie nun. Direkt vor ihren Augen. Zum Greifen nah. Die Wunderpflanze. Dabei sah sie so unscheinbar aus. Ein holziger Stängel mit grünen Blättern. Keine auffälligen Farben, keine aufsehenerregenden Muster. Und dennoch war sie etwas Besonderes. Ein Wunder. Sarah merkte nicht, wie eine Träne über ihre Wange rann.” Die zweite Geschichte handelt von der Wissenschaftlerin Dr. Sadie Gordon, die im Jahr 2120 an einem Computerprogramm arbeitet, das Blicke in die Zukunft ermöglicht. Das Programm soll dem Erd-Commander Chuck Herod helfen, einen katastrophalen Krieg, der die Zukunft der Erde bedroht, zu verhindern. Nach einem Testlauf gibt Sadie das Jahr 2020 in den Computer ein - und als Ort Quadasenien... Roman “La Fuente” von Sandy Green, custos verlag Solingen, 10,90 Euro (jeweils 50 Cent pro Buch gehen an das Deutsche Rote Kreuz und den Naturschutzbund NABU)
Rezension Sandy Green “La Fuente” des Solinger Tageblattes vom 05.05.12
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Rezension der Bücher “Furchtlos” und “Gedankenlos” in der Solinger Wochenpost, 27.03.2012
Gegen Ignoranz und Opportunismus Solinger Neuveröffentlichungen bekennen Farbe
Region (IT). Gleich zwei erwähnenswerte Veröffentlichungen sind in den letzten Wochen beim Solinger custos verlag erschienen. Und obwohl beide Werke zeitlich wie thematisch auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben, so wird schnell klar, dass ein Kerngedanke beide Bücher eint: das Aufbegehren gegen Ignoranz und Opportunismus. Natürlich ist Ulla Feldhaus’ Kurzbiografie über die Solingerin Tilde Klose, die 1942 von den Nationalsozialisten ermorden worden ist, ein eher sachliches Werk. Andererseits stellt sich die Frage, wie sachlich man bei dieser Thematik überhaupt bleiben kann. denn obwohl Feldhaus viele blutige Details ausspart, die Tilde Klose und ihren Mithäftlingen im KZ Ravensbrück und den Folterkellern der Gestapo widerfahren sind, kriecht das Unbehagen durch die Seiten, kommt allenthalben zum Vorschein. Wer in einer Zeit, in der das Äußern einer nicht staatskonformen Meinung das Todesurteil bedeuten konnte, dennoch seinen Idealen treu bleibt, ist nicht nur “Furchtlos” gewesen beim Vermitteln demokratischer Ideen, sondern nicht zuletzt dank dieses Buches auch unsterblich geworden. Tilde Klose wäre heute 120 Jahre alt. Als KPD-Mitglied wurde ihr, die wie Schlachtvieh grundlos in den Tod getrieben worden ist, zunächst nur in der DDR die Ehre zuteil, die eigentlich jedem Häftling eines KZ zugestanden hätte. Ihre Peiniger hingegen lebten und arbeiteten teils unbehelligt und bestens beleumundet nach Kriegsende weiter. Opportunismus lohnte sich immer schon. Auch davon berichtet dieses Buch. Dass man heute wieder darüber diskutiert, eine Straße ihrer Heimatstadt Solingen nach Tilde Klose zu benennen, zeigt, dass die allgemeine Ignoranz ein wenig bröckelt. Und das ist gut so. Paula S. J. Maschke ist erst knapp 15 Jahre alt. Im vergangenen Jahr hat sie den verlagsinternen Schreibwettbewerb zum Thema “Kinderarmut” gewonnen. Der Preis: die Veröffentlichung des jetzt erschienenen Bandes “Gedankenlos: Lyrik und Prosa”. Hat man es bei der Lyrik auf den ersten Blick größtenteils mit Naturdichtung zu tun, so wird erst nach einiger Zeit klar, dass man ganz tief drinsteckt in der Gefühlswelt und der Wahrnehmung eines jungen Menschen und die dargebotenen Landschaften durch eine Art Brille beobachtet, die manchmal erhellt, manchmal verdunkelt, aber den Leser fast immer in den Bann dieser Welt zieht, an die sich ältere Semester Zeile für Zeile besser erinnern können. Leider sehr aktuell ist das in der Kurzgeschichte “Letzte Reihe, rechter Platz” behandelte Thema Mobbing. Hier entfaltet sich das ganze Geschick der Autorin, die es schafft, das beklemmende, ausweglose Dasein eines gemobbten Schülers so intensiv nachzuzeichnen, dass man unweigerlich Scham empfindet. Scham für die kleinen und großen Nickeligkeiten der breiten Masse, die in der Summe dazu führen, dass jemand ohne erkennbaren Grund Opfer wird. Auch hier werden sehr schnell der Opportunismus und die Ignoranz gegenüber den grundlegenden Formen menschlicher Würde im Umgang miteinander deutlich. Und auch hier spielt wieder eine Rolle, dass die breite Masse ein furchtbarer, von Angst getriebener Folterknecht werden kann, der fürchtet, selbst zum Opfer zu werden, sobald er der Masse entkommt. Letztlich sind sich die Gegenstände beider Bücher also ähnlich. Das Wissen um die Aktualität dieses Gegenstandes macht beide Werke wichtiger denn je.
Solinger Tageblatt, 24.03.2012
Bericht über Shalom Sechvi und sein im Juli erscheinendes Buch “Mein Herz schlägt wieder”
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Rezension “Furchtlos”, BAF, März 03/2012
Furchtlos
Auf ihrer Fahrt im Jahre 2009 durch Mecklenburg Vorpommern kommt Ulla Feldhaus, die Autorin des Buches, mit ihrem Mann auch zur Gedenkstätte des Frauen-KZ Ravensbrück. Obwohl sie das Gesehene nur schwer verarbeiten kann, blättert sie an einem Büchertisch in dem Buch “Kreuzweg Ravensbrück”. Dabei stößt sie auf ein Bild der Solinger Widerstandskämpferin Mathilde Klose. Der Mythos und die Person Tilde Klose lassen sie nicht mehr los. Sie beschließt, ihren Leidensweg nachzuspüren. Daraus entstand eine 68-seitige Broschüre mit eindrucksvollen Schilderungen über das Leben und Leiden der Solingerin in den Jahren 1892 bis 1942. Eine Vielzahl von Bildern und Dokumenten lassen den Leser der Broschüre ein wenig teilhaben an Tildes Leben. Die leichtverständliche Art des Schreibens sollte es auch Jugendlichen und Menschen, die sich noch nicht so viel mit dem Faschismus und seinen Gräueltaten befasst haben, ermöglichen, durch diese Broschüre einen ersten Schritt in diese Richtung zu machen. Und jedem Antifaschisten kann ich sie als Ergänzung seiner Bibliothek nur ans Herz legen. Marion Bonk
Rezension “Ungesehene Tränen”, Solinger Wochenpost, 13.12.11
Von der Armut
Solingen (IT). Denkt man an Kinderarmut, fallen einem in erster Linie die so genannten Dritte-Welt-Länder ein. Bilder aus Afrika oder Asien, diverse mehr oder weniger seriöse Spendenaktionen und die Tatsache, dass wir alleine in Deutschland jährlich so viele Lebensmittel wegwerfen, dass man die ganze Welt damit für lange Zeit satt machen könnte. So weit, so schlecht. Dass Kinderarmut ein aktuelles und furchtbar globales Problem ist, zeigt der mehr als lesenswerte Band “Ungesehene Tränen”. Die vom Solinger custos verlag veröffentlichte Anthologie enthält Kurzgeschichten zum Thema Kinderarmut, die wirklich unter die Haut gehen. Denkt man bei der skurril anmutenden Einleitungsgeschichte “Eine indische Hochzeit” der Solinger Autorin Sandy Green inhaltlich zunächst noch an einen schlechten Scherz, so erschließt sich nicht erst beim “Nachgooglen” der Thematik das Grauen, das sich wirklich hinter dem Schicksal der Protagonistin verbirgt. Nein, spätestens nach der dritten Kurzgeschichte weiß man, wie ernst es allen in dem Band versammelten Autoren ist, von denen viele aus der bergischen Region stammen. Und nachdem man das Buch zur Hälfte geschafft hat, ist auch klar, dass die Armut selbst dort lauert, wo man im Grunde gediegenen Wohlstand vermutet. Gerade mit Kinderaugen gesehen, entpuppt sich das beliebte konservative Argument, es ginge den Menschen in unserer Gesellschaft dank der sozialen Sicherungssysteme durch die Bank hervorragend, als geradezu bizarr. Ein mutiges Buch, das nicht nur die Menschen interessieren sollte, die pünktlich zur Weihnachtszeit ihr Gewissen neu entdecken wollen. Es regt zum Nachdenken an und zur Wertschätzung der “ganz gewöhnlichen Dinge”. Und gerade das macht die Investition in dieses Buch, von der je 50 Cent an die Aktion “Tischlein deck dich” gehen, überaus wertvoll.
Rezension “Von der Lüge und anderen Wahrheiten” Solinger Wochenpost, 13.12.11
Von der Wahrheit
Solingen (IT). Was ist eigentlich Wahrheit? Diese Frage füllt ganze Regale in den Universitätsbibliotheken rund um den Globus. Dass die Solinger Philosophin Uta-D. Rose diesen mehr als schwierigen, standpunkt-, diskurs und zeitabhängigen Gegenstand nicht erschöpfend auf 121 Seiten diskutieren oder sogar erklären kann, dürfte klar sein. Dass sie sich aber Lügen, Gerüchten und diversen zentralen Begriffen unserer Gesellschaft in kurzen, anregenden Texten nähert, ist ein schöner Effekt. Allerdings regen die Texte zum Mitdenken und Weiterlesen an, sind also “anschlussfähig”. Wer dazu keine Lust verspürt, für den ist “Von der Lüge und anderen Wahrheiten” nicht wirklich zu empfehlen. Allerdings dürfte diese Klientel unter den Interessenten für Uta-D. Roses Schwerpunkt ohnehin verschwindend gering sein.
Rezension “Von der Lüge und anderen Wahrheiten” Solinger Morgenpost, 10.12.11
Von der Faszination der Philosophie
(aki) Wie populär man Philosophie gestalten kann, beweist die Solingerin Uta-D. Rose seit vielen Jahren in ihren stets gut besuchten Philosophie-Café. Dort behandelt sie regelmäßig Themen von allgemeinem Interesse. Ist der Mensch böse? Was ist die Wahrheit? Die politische Lüge. All diesen Fragen ist die freie Philosophin schon nachgegangen bei ihren Veranstaltungen. Seit 2000 leitet sie das Philosophie-Café in der Solinger Stadtbibliothek und hält Vorträge. Was lag da näher, als Streitgespräche, die Uta-D. Rose mit ihren Teilnehmern führte, in Buchform herauszugeben. Das kleine Bändchen mit 123 Seiten ist im Solinger custos verlag erschienen. In zwölf Kapiteln gibt die Autorin darin eine Einführung zu verschiedenen philosophischen Themen. “Von der Lüge und anderen Wahrheiten” soll eine Anregung geben, philosophische Streitgespräche zu führen. Die Autorin bemüht dabei zum einen berühmte Philosophen, stellt zum anderen aber auch die Tehmen in den aktuellen heutigen Zusammenhang. “Die Lust am Denken regt sich überall und bei jedem, wenn sich Fragen stellen, auf die es keine ausreichende Antwort gibt. Oder wenn sich Dinge ereignen, die man nicht versteht”, sagt die Autorin, die an der Bergischen Universität studierte und zum Thema “Die Komplexität politischen Handelns” promoviert hat. In ihrem Buch hat Uta-D. Rose am Ende jedes Kapitels und jedes Themas Anregungen zusammengestellt, wie man die Diskussion mit passenden Fragen in Gang bringen kann.
Rezension “Furchtlos - Das Leben der Solingerin Tilde Klose” Solinger Tageblatt, 07.12.11
Buch über furchtlose Frau SOLINGER KÖPFE Die Autorin ist Ulla Feldhaus (65), Solingens Ex-Bürgermeisterin.
Von Haus aus ist Ulla Feldhaus Förderschullehrerin. In ihrer zweiten Karriere war die SPD-Frau zehn Jahre lang Bürgermeisterin in Solingen. Nach ihrem Rückzug aus der Kommunalpolitik hat die 65-Jährige die Historie für sich entdeckt. Zu dem Thema, über die Solingerin Tilde Klose zu schreiben, die 1942 von den Nazis im KZ ermordet worden war, kam Ulla Feldhaus allerdings eher zufällig. „Beim Urlaub in Mecklenburg-Vorpommern vor zwei Jahren habe ich mit meinem Mann das Konzentrationslager Ravensbrück besucht“, erinnert sich Feldhaus. Auf dem Büchertisch der Gedenkstätte ist sie dann auf ein Bild von Tilde Klose gestoßen. Der Hinweis „geboren in Solingen“ hat Ulla Feldhaus nicht mehr losgelassen. Sie hat recherchiert, Briefe ausfindig gemacht und Kontakt zur Tochter einer Freundin von Tilde Klose hergestellt. „Innerlich hatte ich den Auftrag, irgendetwas darüber zu machen.“ Tilde Klose (1892-1942) war die Tochter eines Beigeordneten in Solingen. Ihre Mitgliedschaft in der SPD und später bei den Kommunisten hat sie in die Nazi-Fänge geführt. „Es ist beeindruckend, wie furchtlos diese Frau ihren Weg gegangen ist.“ An der Gasstraße, vor dem Wohnhaus der Familie, erinnert ein Stolperstein an die engagierte Solingerin. Aus Ulla Feldhaus’ Recherchen und Manuskripten wurden Texte, in diesem Sommer dann ein Buch. Das stellt die 65-Jährige am Freitag in den Güterhallen vor, unterstützt von der Solinger Schriftstellerin Sandy Green, in deren in diesem Jahr gegründetem Custos-Verlag das Buch auch erschienen ist. Ulla Feldhaus hat derweil die nächsten Projekte im Blick. Sie möchte weiter über Solinger Frauen, die schon früh politisch aktiv waren, recherchieren und schreiben. Zudem begeistert sie sich für das neu begonnene Klavierspiel („Ich kann schon ,Freude schöner Götterfunken’“) und vor allem für ihren Enkel Charles Ibrahim. sith
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Rezension “So viele wie möglich”, Solinger Tageblatt, 29.10.11
Schon als achtjähriges Kind hat Maria Mitleid mit jedem leidenden Wesen. Sie vergisst sogar die familiäre Andacht, um ein kleines Kätzchen zu retten, das ein Bauer im Fluss ertränken wollte. Diese Eigenschaft verliert Maria nie. Als erwachsene Frau kann sie nicht über die Not und das Elend der Menschen im Krakauer Ghetto hinwegsehen. Als tiefgläubige Rot-Kreuz-Helferin versorgt sie zuerst die Menschen medizinisch. Dann bringt sie sich auch persönlich in Lebensgefahr und schmuggelt Kinder aus der irdischen Hölle heraus in Sicherheit. Die Autorin Sandy Green hat in ihrer Erzählung eine wahre Begebenheit aufgegriffen. Mit ihrer Geschichte zeigt sie, dass durch Gottvertrauen, durch Mut und Zivilcourage einige Kinder gerettet werden konnten - so viele wie möglich. “So viele wie möglich” ist auch der Titel des kleinen Bändchens. Sehr genau beschreibt Sandy Green die Lebens-Situation der jüdischen Menschen im Ghetto, deren Verzweiflung, Not und Elend. Und dann die Trauer, die Hilflosigkeit von Maria, bis diese den Entschluss fasst, Kinder aus dem Ghetto herauszuschmuggeln. Ein Sieg der Menschlichkeit. Mit atemloser Spannung verfolgt der Leser, wie die junge Frau den Kindern beibringt, sich unter ihrem Rock zu verstecken und auf ihren Füßen zu gehen. Er atmet auf, wenn Maria es gerade eben schafft, doch nicht entdeckt zu werden.
Das Buch ist im custos verlag erschienen und kostet 8,90 Euro. Mit einem Euro pro verkauftem Exemplar unterstützt die Autorin den Aufbau des Bergischen Kinderhospizes Wuppertal. kc
Rezension “So viele wie möglich”, Mannheimer Morgen, 10.08.2011
Literatur regional: Die Mannheimerin Sandy Green beschreibt in "So viele wie möglich" das Schicksal einer Rotkreuzschwester im Krakauer Ghetto
Moral, Menschenliebe und eine mutige Maria
Von unserer Mitarbeiterin Erika Deiss
"Wer auch nur ein Menschenleben rettet, rettet die ganze Welt", heißt es im Talmud. So denkt, weniger pathetisch, auch Maria, die Rotkreuzschwester aus Krakau, deren Ziel es ist, "so viele wie möglich" aus dem Ghetto der besetzten Stadt herauszuschmuggeln. Dass sie damit ihren eignen Kopf riskiert, schreckt Maria nicht. Es ist der Preis, der in der Zeit der NS-Diktatur auf Nächstenliebe und Zivilcourage steht. Die Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht, hat Sandy Green, geboren 1969 in Mannheim, nicht mehr losgelassen. Sie setzt der namenlos Gewordenen, die sie Maria nennt, ein so bewegendes wie wunderbar erzähltes Denkmal.
Schon als Mädchen zeigt Maria eine Liebe zu bedrohtem Leben. Tatenlos mit anzusehen, wie ein Kätzchen in den Fluss geworfen wird, lässt sie verzweifeln. Zum Verdruss der Mutter bringt sie das Geschöpfchen heim und schwört sich "So viele wie möglich" solch fatalem Schicksal zu entreißen. Wie viel mehr erst gilt es, solche Willenskraft zu zeigen, wenn Maria bald schon Menschenkinder vor dem sicheren Tod zu bewahren sucht.
Sie wird Krankenschwester und fährt eines Tages mit der blickdicht abgeklebten Straßenbahn durchs Ghetto, als sie durch ein Loch in der Verdunkelung zur Zeugin eines Mords an einem Jungen wird. Sie kann die Bilder nicht verdrängen und beschließt, sich als Rotkreuzschwester nützlich zu machen. Mit bescheidensten Mitteln rückt sie der Not zu Leibe, die die Menschen dort erleiden. Schließlich bringt ein Zufall sie auf die Idee, sie könne die bedrohten Kinder unter ihren weiten Röcken aus dem Ghetto schmuggeln. Das gelingt. Bis ein kranker Junge vorm Tor des Ghettos hustet - damit ist der Weg ins Leben jäh beendet. Hat es sich gelohnt? Was Sandy Greens kraftvolle Erzählung, ihr bisher gelungenstes, weil sprachlich so subtiles wie brillantes Prosastück, so überzeugend macht, ist der genaue Blick, der uns Marias kurzes Leben prägnant als Muster unbeugsamer Menschenliebe so lebendig wie konzis vor Augen stellt.
Solinger Wochenpost, 19.07.2011
Ein wichtiges Buch
Rezension zu Sandy Greens “So viele wie möglich”
Solingen/Buchtipp (IT). Mit ihrem neuesten Roman “So viele wie möglich” taucht die Solinger Autorin erneut ein in die schreckliche Zeit des Nationalsozialismus. Sie erzählt die Geschichte einer Rotkreuzschwester, die im Krakauer Ghetto arbeitet und dort mehrere jüdische Kinder herausschmuggelt. Der Kern der Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit. Da aber über die Identität der Krankenschwester ansonsten nichts bekannt ist, projiziert die Autorin das marianische Ideal auf ihre Heldin. “Maria”, wie sie bezeichnenderweise heißt, wächst in einem streng christlichen polnischen Elternhaus auf und entwickelt schon früh eine ausgeprägte Neigung, Elend zu lindern. Die beiden Komponenten Glaube und Hilfsbereitschaft bestimmen auch ihr Erwachsenenleben, das sie als Krankenschwester in Krakau zur Zeit der deutschen Besatzung erlebt. Als sie eines Tages mit dem furchtbaren Schicksal der Juden im Krakauer Ghetto konfrontiert wird, beschließt sie zunächst, dort ihren Dienst als Krankenschwester zu versehen. Als ihr klar wird, dass vor allem Kinder die Hauptleidtragenden von Hungersnot, Krankheiten und der stets präsenten und unerklärbar brutalen Behandlung durch die SS-Wachen sind, trifft sie den lebensgefährlichen Entschluss, die Kinder aus dem Ghetto zu schleusen, indem sie sie unter ihrer weiten Schwesterntracht versteckt. Die fesselnd erzählte Geschichte orientiert sich sehr an der Gefühlswelt ihrer Protagonistin durch deren Augen wird das ohnmächtige und sinnlose Leid verfolgen, hervorgerufen durch ein krankes Weltbild. Es ist jedoch letztlich dieses Weltbild, das dem zu jener Zeit auch unter Nichtjuden tristen Leben durch aktive Zivilcourage einen Sinn und die wichtigen Glücksmomente verschafft. Dass Sandy Green das seit dem Mittelalter geläufige Bild der heiligen Maria, die Schutzbedürftige unter ihren Mantel holt, bemüht, passt natürlich perfekt zum religiös fundierten Überbau der Geschichte, ist aber am Ende - ebenso wie der gesamte logistische Aspekt des Schleusens und dessen Nachsorge, dessen Schilderung aufgrund des geringen Seitenumfangs ausbleibt - nur Nebensache. Im Grunde geht es um die Notwendigkeit sozialen Verhaltens in jeder Gesellschaft. Das wird wieder einmal hervorragend umgesetzt. Ein beklemmendes, aber gleichzeitig lesenswertes und in der heutigen Zeit sehr wichtiges Buch.
IGdA-aktuell, Ausgabe 2/2007
Der König und die Ruhe
Sandy Green Köln: Tonstudio Martin Gerke 2006 CD, ca. 20 Min.
Die innere Uhr
Nur ein tapferer, weiser Mann mit einem guten Herzen wird die Ruhe finden, die der König in seinem Reich vermisst. Die Autorin (Jg. 1969) erzählt uns hier ein Märchen, sie liest selbst auf der CD mit musikalischer Umrahmung des Komponisten und Sound Designers Martin Gerke. Inhalt und Aufbau sind stereotyp der Gattung Volksmärchen gemäß: Der König verspricht demjenigen, der ihm die Ruhe bringt, seine Tochter zur Frau. Von den drei Bewerbern – Prinz, Edelmann, Bauernsohn – besteht natürlich letzterer die drei Prüfungen auf dem Weg zur Ruhe. Nachdem dieser Bauernsohn auf dem Rückweg noch eine Zusatzprüfung besteht – zu allen diesen Prüfungen musste man übrigens ein gutes Herz haben -, erfüllt sich sein Glück ebenso wie das des Königs und des ganzen Reiches. Ruhe stellt sich bekanntermaßen ein, wenn der Mensch quasi nach seiner inneren Uhr seine Arbeits- und Erholungsphasen einteilen kann. In der hektischen, durch die Ökonomie bestimmten Moderne ist das freilich nicht möglich – Fritz Reheis schreibt dazu in seinem Buch Die Kreativität der Langsamkeit (1996): „Das Tempo und der Takt der Arbeitswelt vergewaltigen insgesamt die Eigenzeiten und –rhythmen der Individuen.“ Bezeichnenderweise muss der König am Ende eine kleine Uhr verschlucken, worauf sich allgemein die Ruhe, die er ausstrahlt, auf all anderen überträgt. Reheis spricht von der „Neurhythmisierung des Lebens“ durch „Innehalten“, das Erlernen von „Zeitelastizität“ sogar mit der Entwicklung der autonomen Persönlichkeit zusammen. Unter diesem Gesichtspunkt wird dieses archaisch anmutende Märchen sogar zur Parabel auf den Umgang mit der Zeit. Liebe Mitmenschen: lest das Buch von Fritz Reheis – und dann zur Belohnung hört dies Märchen an – das gehört beides zusammen. Und findet den eigenen Rhythmus und die innere Ruhe als Gegenkraft zur äußeren Hektik.
Karl-Heinz Schreiber
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